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aufgabenstellung


Begriffsdefinition
Parasiten:
Bakterien-, Pflanzen- oder Tierarten, die ihre Nahrung anderen Lebewesen entnehmen und sich vorübergehend (temporäre Parasiten) oder dauernd (stationäre Parasiten) an, oder in deren Körper aufhalten. Gewöhnlich leben sie von sich zersetzender Substanz, sie können aber auch in lebendes Gewebe eindringen. Man unterscheidet fakultative Parasiten, die nur unter bestimmten Bedingungen Schmarotzer sind und obligate Parasiten die ständig eine parasitäre Lebensweise haben und sich so an einen Wirt angepasst haben, dass sie nur noch zusammen mit diesem lebensfähig sind.
Desweiteren unterscheidet man Ektoparasiten, die auf der Körperoberfläche des Wirts leben und Endoparasiten, die im Inneren des Wirt leben.
In den allermeisten Fällen ist der Parasit ganz spezifisch an einen Wirt gebunden. Es gibt aber auch Parasiten, deren vollständige Entwicklung nur durch einen oder mehrere Wirtswechsel möglich ist.
Parasitismus:
Bestimmte Form der Wechselbeziehung zwischen Organismen, wobei der Parasit auf oder in dem Wirt lebt und sich auf dessen Kosten ernährt.
Wohnform:
Wohnform wird hier nicht im Sinn der Form des Zusammenlebens, sondern vielmehr als die äussere und innere Form, die räumliche Ausprägung und Organisation eines Gebäudes mit der Funktion Wohnen verstanden.


Aufgabe des Architekten
Die Aufgabe der Architektur ist von jeher bestimmt durch funktional-praktische und technisch-ökonomische Dimensionen. Neben ihren räumlichen und organisatorischen Anforderungen steht Architektur jedoch auch immer in einem wechselseitigen Verhältnis zu ihrer Umwelt. Der Architekt hat daher nicht nur die Aufgabe, einen inneren Erlebniswert herzustellen sondern ist auch der äusseren Gestalt und Umgebung verpflichtet.
In zahlreichen Wettbewerben versuchen Architekten dieser Aufgabe gerecht zu werden. Grosse Bauaufgaben werden vielschichtig in Fachkreisen diskutiert, "Häuslesbauer" kritisiert.


 
Problemstellung
Zentrum:
Seit längerem klagen Städte und Gemeinden über einen steigenden Leerstand in den Zentren. Vielerorts versucht man über Strukturanalysen, städtebauliche Neuordnungen und Wettbewerbe Rahmenpläne zu entwickeln. Museen, Freizeitanlagen, neue Einkaufswelten sollen die Bewohner zurück ins Zentrum bringen und somit den alten Kernen neues Leben einhauchen.
Peripherie:
Parallel zur Auflösung der Zentren ist ein Wachsen an den Rändern festzustellen. Vor allem das eigenen Haus und privates Glück finden dort ihre Verwirklichung. Die Ideale Lebensform und der "Deutschen Traum" ist laut Umfrage des "Stern" (25/1996) für 90% das Einfamilienhaus.
Die gestaltete Umwelt:
Betrachtet man aber die Masse dieser unkoordinierten Alltagsentscheidungen
-wo will ich wohnen? wie will ich wohnen? wie richte ich mich ein?-
bleibt festzustellen, dass sie in ihrer Summe zur Gestaltung unserer Umwelt weitaus mehr beitragen als die Summe der zweck- und zielgerichteten Planungen der Architekten.
Diese Collage der rationalen Einzelentscheidungen lässt sich nicht mehr auf ihre Umgebung ein. Geplant wird bis maximal bis zum Gartenzaun, der öffentliche Raum beschränkt sich auf die Fahrstrasse.


Zielstellung
Innovation entsteht nicht unmittelbar aus Bedürfnissen. Vielmehr werden Wünsche häufig erst durch die Bereitstellung neuer Möglichkeiten geweckt. Für den Bereich Wohnen bedeutet dies vor allem die Untersuchung, welche Art von Wohnraum bei uns bisher nicht erhältlich, vielleicht auch nicht einmal zulässig ist.

Der Ansatz dieser Diplomarbeit liegt daher in der Schaffung neuer Raumqualitäten. Durch die Auseinandersetzung mit den vorhandenen Baustrukturen, sollen exemplarische Modelle für eine Neuinterpretation im Bestand entwickelt werden.Das Ziel sind zeitgemässe Wohnräume, die Ihren Bewohnern neuartige Wohnerlebnisse ermöglichen.

Entgegen der vielerorts durchgeführten Rahmenplanungen wird hier ein wohn-räumlicher Ansatz für den Umgang mit vorhandener Struktur gewählt. Es geht dabei aber nicht um die bekannten Methoden des Umbaus, der Rekonstruktion oder Reparatur. Vielmehr soll mit Hilfe des aus der Biologie entliehenen Begriffes des "Parasitären" Ansätze entwickelt werden, die einen neue Umgang mit vorhandenen Baustrukturen ermöglichen.

Wohnparasiten sollen dabei die Eigenschaft besitzen, sich an zerfallenen, oder auch gesunden Baustrukturen anzuheften und sich aus diesen Strukturen heraus zu entwickeln. Dabei kann es zu einem Austausch von Wirt und Symbiont kommen, es besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass der Parasit seinen Träger zerstört, um selbst überlebensfähig zu sein.

Die Aufgabe stützt sich dabei auf die Entwicklung mehrerer Modelle. Aus dieser Arbeitsmethode sollen neue räumliche Situationen entstehen, die eine zeitgemässe Gestaltung der Umwelt mit sich bringen. Im Unterschied zu den Vorhandenen "un"-räumlichen Situationen der Neubausiedlungen soll durch die Parasiten öffentlicher Raum aktiviert, freigestellt und definiert werden - agiert wird im Kontext. Architekturen, die Identifikation ermöglichen, auch über das eigene Baufeld hinaus.


Abgrenzung
In der Durcharbeitung dieser Diplomarbeit wird der Schwerpunkt auf die architektonische Gestalt von Objekten gelegt. Es handelt sich jedoch nicht um die Erarbeitung fragmentarischer Einzelmassnahmen an einem beliebigen Ort. Entgegen bekannter städtebaulicher Arbeitsweisen mit ihren räumlich zusammenhängenden, komplexen Realisationen wird hier untersucht, inwiefern Einzelmassnahmen die Fähigkeit besitzen auch über den privaten Raum hinaus wirksam zu sein. Reizvoll erscheint dabei vor allem die Unmittelbarkeit und Prozesshaftigkeit, die diese Herangehensweise in sich birgt.


Der Ort
Bühne dieses Szenarios ist das Dorf Gruol auf der Schwäbischen Alb. Bewusst wird hier ein Ort gewählt, dessen Qualität seine Alltäglichkeit ist. Ohne besondere Merkmale bildet er eine allgemeingültige Kulisse. Das Dorf steht exemplarisch für die vielerorts anzutreffenden Siedlungsstrukturen, ohne besonderen landschaftlichen Reiz, ohne besondere traditionelle Ausprägungen. Eine Dorfanlage - wie sie in Deutschland häufig zu finden ist.


Aufgabe
Aufgabe dieser Diplomarbeit ist die Entwicklung "parasitärer Wohnformen".
Die "Parasiten" (=Raummodelle) werden in einem Suchraum aus der Überlagerung der drei Parameter - Bauform, Standort, Nutzerprofil - generiert. Mit dieser Untersuchung sollen Möglichkeiten entwickelt werden für sich auflösende Strukturen, für Leerstand und Brachen, die auch über die Dimension eines kleines Dorfes Gültigkeit besitzen. Das so entstandene Angebot soll die ständig wachsenden Bedürfnisse einer sich immer stärker differenzierenden Gesellschaft bedienen und deren Nachfrage anregen. - Der Architekt als "Wunschgenerator", nicht als Kritiker seines eigenen "Umweltvermögens".


Suchraum-Parameter
Bauformen
- Anbauen
- Umbauen
- Überbauen
- Einbauen
- Rückbauen
- Vorbauen
- Neubauen
- Abbauen
- Ausbauen
Standorte

- Grundstück A
- Grundstück B
- Grundstück C
- Grundstück D
- Grundstück E
- Grundstück F
- Grundstück G
Nutzerprofile
- Wohnen 1 Person
- Wohnen 2 Personen
- Wohnen 2+ Personen
Bauform, Standort und Nutzerprofil werden während der Ausarbeitung gewählt.
Es besteht die Möglichkeit der Nutzung von Brachflächen, leerstehenden und bewohnten Häuser.


Leistungen
Die Form der Darstellung sowie die geeigneten Masstäbe sind entwurfsabhängig und werden entsprechend der optimalen Vermittlung und dem leichteren Verständniss der räumlichen Zusammenhänge im Laufe der Ausarbeitung angepasst.
Die vorab gewählten Masstäbe dienen während der Bearbeitung zur Orientierung, wenn inhaltlich oder formal notwendig werden sie für die Endpräsentation angepasst.

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Auswahl der Entwurfsmodelle
Ableitung und Abgrenzung geeigneter Modelle innerhalb des Suchraumes
Räumliche Einordnung der Massnahmen in das bauliche Umfeld (Kontext) m.1/500
Grundrisse m.1/200
Ansichten und Schnitte m.1/200
Ausschnitte/Systeme verschiedene Masstäbe
Arbeitsmodelle
räumliche Darstellungen/Raummodelle
Aussenraum/Innenraum verschiedene Masstäbe
Erläuterungstext
Dokumentation des Entwurfsprozesses Skizzenbuch
Verkleinerung


Termine
17.10.2001 Ausgabe der Diplomaufgabe, 18.00 Uhr
14.11.2001 Zwischentermin, Konzeptvisite, letzte Möglichkeit zum Rücktritt
16.01.2002 Abgabe der Diplomarbeit, 18.00 Uhr
21.02.2002 Abgabe der Modelle, Aufbau der Ausstellung
23.01.2002 Diplomprüfung
24.01.2002 Vorstellung der Diplomarbeiten
06.02.2002 Öffentliche Präsentation der Diplomarbeiten